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Die mobile Workstation von Lenovo stellt sich erneut zum Test. Dieses Mal tritt das ThinkPad P50 allerdings mit einem Xeon Prozessor und einem 4K-Display an, welches sich jedoch nicht für jeden Nutzer lohnt.

Die neuen Workstation-Modelle aus Lenovos ThinkPad-P-Baureihe konnten sich in unseren Test bereits beweisen und hinterließen einen sehr guten Eindruck, doch gerade bei dem ThinkPad P50 hatten wir mit einigen Problemen zu kämpfen. Dazu gehörte beispielsweise die verbuggte Turbo-Ausnutzung des Prozessors und auch der vergleichsweise schlechte FHD-Bildschirm, welcher die hohen Erwartungen - gerade in Anbetracht des Kaufpreises - nur bedingt erfüllen konnte.

 

In dem heutigen Test-Update können wir nun einen Blick auf das ThinkPad P50 20EN0008GE werfen. Es handelt sich hierbei aktuell um das teuerste vorkonfigurierte Modell, welches bei deutschen Händlern lieferbar ist. In einigen Shops ist unser Testgerät bereits ab 2.850 Euro zu bekommen (Campus-Modell: 2.500 Euro). Dafür erhält man einen mobilen Intel-Xeon-Prozessor, eine Quadro-GPU von Nvidia und ein mattes 4K-Panel, welches vor allem bei der Farbraumabdeckung einen Vorteil gegenüber dem FHD-Modell haben sollte. Etwas knauserig zeigt sich Lenovo hingegen bei der Speicherausstattung, denn wir bekommen zwar eine PCIe-SSD, allerdings nur mit einer Kapazität von 256 GB. Auch 8 GB Arbeitsspeicher sind für solch eine Workstation kaum zeitgemäß, zumindest handelt es sich aber um ECC-RAM.

 

Ein weiteres Problem des ThinkPad P50 war auch die WWAN-Unterstützung, denn die ersten Modelle waren entgegen der Angaben vom Hersteller nicht WWAN-ready. Mittlerweile hat sich das aber geändert, und zumindest in Lenovos Online-Shop lassen sich Modelle mit dem passenden Qualcomm Snapdragon X7 LTE-A (+155 Euro) konfigurieren. Falls man bei einem Händler kauft, sollte man im Vorfeld nachfragen und im Zweifel lieber zu einem Modell direkt von Lenovo greifen, um auf Nummer sicher zu gehen.

 

Bei den ersten Messungen stellt sich aber ein wenig Ernüchterung ein, denn maximal messen wir zwar ordentliche 276 cd/m², aufgrund der mittelmäßigen Ausleuchtung von nur 86 Prozent liegt die durchschnittliche Helligkeit aber nur bei 250 cd/m². Hier sind wir also recht weit von der Herstellerangabe entfernt. Auch das Kontrastverhältnis liegt mit 806:1 (Schwarzwert: 0,31 cd/m²) unter den Angaben. In diesen Disziplinen liegt das 4K-Modell also nur knapp vor dem Full-HD-Pendant.

 

Subjektiv gibt es dennoch wenig zu meckern. Dank der hohen Auflösung (282 ppi) ist das Bild sehr scharf, und subjektiv sind auch die Farben sehr lebendig. Die Helligkeit war innerhalb von Gebäuden in Ordnung, lediglich im Freien würde man sich mehr Reserven wünschen. Unser Testmodell verwendet Windows 7 und die maximale Skalierungsstufe liegt bei 150 %. Für uns war die Darstellungsgröße noch in Ordnung, aber es kam ab und an zu einigen Skalierungsproblemen. Hier würden wir prinzipiell zu dem Upgrade auf Windows 10 raten. Screen Bleeding ist bei hohen Helligkeitsleveln leicht am oberen und unteren Rand sichtbar, zudem kann man einen leichten Blauschimmer am linken Rand erkennen.

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Im Gegensatz zum Full-HD-Panel nutzt der 4K-Bildschirm PWM zur Regelung der Helligkeit. Das passiert ab Stufe 8/15 mit einer recht niedrigen Frequenz von 217 Hz, weshalb es hier bei sensiblen Nutzern zu Problemen kommen kann.

Das ThinkPad P50 ist erneut mit einem eingebauten Pantone Colorimeter ausgestattet, weshalb wir auch die kalibrierten Ergebnisse in unsere Datenbank eintragen. Allerdings ist die Leistung in Verbindung mit dem 4K-Panel wenig überzeugend. So liegen die durchschnittlichen DeltaE-2000-Abweichungen gegenüber dem sRGB-Farbraum bei 7,2 für die Graustufen und 4,5 für die Farben, wobei die Zielwerte jeweils unter 3 liegen. Zudem erkennen wir einen leichten Rotstich.

Welches Potenzial in dem Display steckt, zeigt unsere Kalibrierung, die wir mit dem Colorimeter X-Rite i1 Basic 2 und der Software CalMAN durchgeführt haben. Die Abweichungen der Graustufen und der Farben (jeweils 0,5) liegen auf Referenzniveau, und auch der Rotstich ist verschwunden. Sowohl die Farbtemperatur als auch der Gammawert liegen ebenfalls sehr nah an ihren jeweiligen Idealwerten. Allerdings war das auch bei dem FHD-Modell der Fall.

 

Einen ganz klaren Vorteil hat das 4K-Panel aber bei der Farbraumabdeckung, denn sRGB wird beinahe komplett abgedeckt und AdobeRGB immerhin noch zu 85 Prozent. Für professionelle Aufgaben ist das hochauflösende Modell daher eindeutig die bessere Wahl.

Im Freien profitiert das ThinkPad P50 von der matten Bildschirmoberfläche, in hellen Umgebungen würde man sich aber trotzdem mehr Reserven bei der Hintergrundbeleuchtung wünschen. So ist der Displayinhalt zwar sichtbar, aber für die Augen wird es recht schnell anstrengend.

 

Die Blickwinkelstabilität ist dank der IPS-Technologie wie schon bei dem FHD-Modell gut, aber auch hier erkennen wir bei Änderung der Position recht schnell einen Helligkeitsabfall. Bei unserer Fotomontage wird das Problem etwas verstärkt. Die Farben bleiben jedoch auch aus flachen Winkeln stabil.

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Bei unserer Testkonfiguration des ThinkPad P50 handelt es sich um eine sehr gut ausgestattete Version mit Intel-Xeon-Prozessor, dedizierter Quadro-Grafikkarte von Nvidia und einer PCIe-SSD von Samsung. Eine Besonderheit ist der Arbeitsspeicher, denn hierbei handelt es sich um ECC-RAM (Error-Correcting-Code) mit verbesserter Fehlerkorrektur. Allerdings erhalten wir nur 1x 8 GB in einer Single-Channel-Konfiguration, was in Anbetracht des Preises doch ein wenig mau ist. Im Gegensatz zum normalen DDR4-RAM ist ECC-RAM auch deutlich teurer. Aktuell kostet ein 8-GB-Riegel mit rund 90 Euro etwa doppelt so viel wie herkömmlicher RAM.

Subjektiv gibt es bei der Anwendungsleistung des ThinkPad P50 nichts zu beanstanden. Windows fährt schnell hoch, und auch Programme werden dank der SSD schnell gestartet. Zu störenden Wartezeiten kommt es in der Praxis praktisch nicht. In den Benchmarks der PCMark Reihe liegen die beiden Konfiguration des ThinkPad P50 auf einem ähnlichen Niveau, interessanterweise schneidet das schwächer ausgestattete Modell zumeist sogar etwas besser ab.

Daten können auf einer schnellen PCIe-SSD von Samsung gespeichert werden. Die SM951 bietet eine Kapazität von 256 GB. Wir freuen uns zwar über das schnelle Laufwerk, hätten uns in Anbetracht des Preises aber zumindest noch eine weitere Festplatte gewünscht. Diese lassen sich aber nachrüsten.

 

In den Benchmarks zeigt das Laufwerk sehr gute Leistungen und kann die SATA-III-SSD im FHD-P50 locker überbieten. Weitere Benchmarks stehen in unserem umfangreichen SSD-/HDD-Vergleich zur Verfügung.

Das Testgerät ist erneut mit der dedizierten Quadro-M2000M-GPU von Nvidia ausgestattet, bei der es sich um die die stärkste Grafikkarte für das ThinkPad P50 handelt. Für weitere technische Information möchten wir deshalb auf unseren ursprünglichen Test verweisen. Dank Nvidias Optimus Technologie kann das Notebook bei simplen Aufgaben auf die integrierte Prozessorgrafik Intel HD Graphics P530 zurückgreifen, um Strom zu sparen.

 

Allerdings gab es mit dem vorinstallierten Grafiktreiber 354.25 einige Probleme mit der Zuweisung der GPUs, was leider auch mit einem Update auf Treiber 368.39 nicht komplett behoben wurde. Bei den Benchmarks klappte die Zuweisung vernünftig, doch The Witcher 3 konnte beispielsweise nicht gestartet werden, und das System hing reproduzierbar, weshalb das Notebook dann neugestartet werden musste. Hier half dann nur die Umschaltung von Hybrid auf Discreete Graphics im BIOS, womit die integrierte Grafikkarte komplett deaktiviert wird.

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Den neuen Treiber haben wir direkt bei Nvidia heruntergeladen. Zusätzlich haben wir danach auch noch einmal den aktuellen Treiber von Lenovo ausprobiert. Dieser installiert ForceWare 354.88 - und tatsächlich waren die Probleme damit behoben. Hier empfiehlt sich also die Verwendung des Treibers von Lenovo selbst.